Banner-Kromfohrländer-ayk
Web Design

 

Der zweite Bildungsweg
oder das etwas andere Tagebuch

3. Akt: Der neue Weg

 

Das Problem und der Click

Mein Problem vor allem an der Leine bleibt auch unserer Züchterin nicht verborgen, schließlich haben wir einen regen Kontakt. Im September 2008 organisiert sie - nicht nur für mich, sondern für einige Hochzeitstürmler - ein Einführungsseminar Clicker in der Hundeschule Doggifun in Darmstadt (auch diese Hundeschule haben wir verlinkt). Natürlich sind wir dabei. Auch diese Veranstaltung, die sich über zwei Tage erstreckt, besteht aus Theorie und Praxis. Nachdem zunächst der Clicker und dessen möglicher Einsatz erklärt worden sind, kann man anschließend das Konditionieren üben. Bereits am zweiten Tag sind schon leichte Übungen mit anderen Hunden möglich.

Den Erfolg dieser Veranstaltung kann ich nicht bewerten, denn die Ereignisse überschlagen sich, als Thorsten den entscheidenden Satz sagt: „Mit Ayk würde ich gerne arbeiten. Ich glaube, hier kann ich helfen.“ Bei so einem Angebot kann man nicht nein sagen. Nun hat Thorsten bisher nicht gerade die große Erfahrung mit Kromis, doch irgendwas sagt uns, dass hier eine große Chance für uns liegt. Auch merken wir zu diesem Zeitpunkt, dass uns die bisher eingeschlagenen Wege zwar weiter gebracht haben, doch ausgereizt zu sein scheinen. Für den nächsten Quantensprung ist was Neues nötig.


Kaum zwei Monate nach dem Clickerseminar sind wir wieder bei Thorsten und nehmen die Arbeit auf. Und ich zeige mich direkt von der Seite, die meine Zweibeiner als unerwünscht ansehen. Thorsten wird spätestens jetzt bewusst, auf was er sich hier eingelassen hat. Irgendwann muss ich ihn mal fragen, ob ihn in diesem Moment Zweifel geplagt haben. Ihr könnt mir glauben, der Tag ist ganz schön anstrengend. Denn es sind nicht nur die zwei Stunden mit Thorsten, dann natürlich ein Treffen mit meiner Schwester Akira, nein am Nachmittag ist noch ein Social Walk angesagt. Es ist mein erster von diesen Spaziergängen in Darmstadt, doch es werden noch einige von ihnen folgten. Ich gehe in einem weiten Abstand von mindestens zwanzig Metern zur Gruppe, denn näher heran bedeutet für mich Stress und die Versuchung zu Bellen. Das ist der Tag Null, an dem mein Auftreten zukünftig immer wieder gemessen werden soll und auch wird, um die Entwicklung zu bewerten.

Vom Click bis zum Touch

Eine weit entfernte Hundeschule bringt einige Nachteile mit sich. Natürlich sind die Häufigkeiten der Stunden begrenzt, da die Anreise doch sehr aufwendig ist. Auch die im Alltag auftretenden Probleme und Fragen können nicht immer sofort besprochen und geklärt werden.

Doch andererseits gibt es auch Vorteile, die man vielleicht im Vorfeld nicht bedacht hat. So ist der deutlich höhere Aufwand mit der Anreise der letzte Kick bzw. Ansporn, die Sache noch ernster zu nehmen und sich noch mehr anzustrengen. Die Zeitabstände verdeutlichen uns, dass nicht der Trainer den Erfolg steuert, sondern wir selbst. Neue Stunden mit Thorsten bringen nur dann was, wenn wir das Gelernte umgesetzt und das zuletzt angestrebte Teilziel auch erreicht haben. Der Trainer ist ein steuernder Begleiter, die Arbeiter sind wir.

Viel später wird uns eigentlich richtig klar, was wir in dieser Zeit gelernt haben. Natürlich dreht sich alles um den Clicker, doch es ist vielmehr die Kommunikation, an der wir arbeiten. Es baut sich langsam ein Vertrauen im Hund-Hundeführer-Team auf und durch die Erfolgserlebnisse kehrt immer mehr Ruhe ein.  Endlich beobachten meine Zweibeiner mein Verhalten in bestimmten Situationen, sie lernen mich zu verstehen und probieren so manches aus. Wie fast alle Kromis bin ich ein richtiger Bewegungs- bzw. Adrenalinjunkie. Besonders schnell springe ich auf Ball- und Stöckchenspiele an. Begegnet uns in solchen Situationen ein anderer Hund, so überspringe ich mehrere Sprossen auf der Aggressionsleiter auf einmal. Mich auf den Hundeführer zu konzentrieren oder wieder zu beruhigen, fällt mir danach sehr schwer.

Also ändern meine Zweibeiner die Art und den Ablauf der täglichen Spaziergänge. Der Ball wird weggepackt, Stöckchen ist tabu. Fußlaufen mit und ohne Leine stehen im Mittelpunkt, Tempo- und Richtungswechsel zwingen mich mehr auf meine Begleiter zu schauen. Bemerke ich einen anderen Hund oder bin einer für mich unangenehmen Situation ausgesetzt, wird beruhigend auf mich eingeredet. Für neutrales Verhalten werde ich mit einem Click und einem Leckerlie belohnt. Der Abstand zu anderen Vierbeinern wird bewusst größer gehalten, damit ich keinen Grund habe, mich aufzuregen und zu bellen. Neue Spazierwege, die besonders gute Übersicht bieten, werden zu meinem neuen Revier. Das bedeutet aber nicht, dass ich nicht mehr spielen darf. Dies wird im Garten und im Haus ausgiebig nachgeholt.

Natürlich gibt es auch Rückschläge, die meisten, weil einige Artgenossen unkontrolliert und ohne Leine unterwegs sind, weil sie sich zig Meter von ihren Begleitern entfernen, weil sie einfach voraus um die Ecke kommen, weil ihre Zweibeiner nicht schauen und nicht reagieren, weil wir leider immer wieder rücksichtslosen Hundehaltern begegnen. Doch diese lernt man mit der Zeit kennen und geht in einem noch weiteren Boden um sie herum. Mein Herrchen führt eine Strichliste, jeder Tag ohne Bellen ist ein guter Tag. Und die guten Tage häufen sich immer mehr.

Neue Befehle wie z.B. Touch bauen wir ein. So konzentriere ich mich noch stärker auf meine Zweibeiner und lasse andere Hunde „links liegen“.  Die Spaziergänge machen wieder richtig Spaß. Und auch wenn die Ausflüge nach Darmstadt weiterhin anstrengend bleiben, so freue ich mich immer wieder darauf. Inzwischen übe ich mit einem richtigen Kampfhund, einer älteren Hündin. Doch wenn man bei Ashley die Vorurteile bezüglich der Rasse überwunden hat, so erkennt man einen tollen Hund.

 

 

Auch Krümmel, ein Rüde, wird zu meinem Sparringspartner. Mit ihm üben wir Annäherungen und Kontaktaufnahme, aber auch Beschwichtigungssignale zu deuten. Gerade das Letztere ist für mein Menschenrudel besonders schwierig aber auch wichtig, da ich fast alle kenne und auch häufig anwende. Thorsten ist auch der Meinung, dass ich nicht aus Aggression, sondern aus der Unsicherheit heraus andere Hunde anzubellen begonnen habe. Wie Recht er hat!

 

 

Natürlich verbinden wir die Trainingsstunden auch weiterhin mit Besuchen bei meiner Ziehfamilie und mit weiteren social walks. Und auch hier stellen sich Erfolge ein. Wir kommen den anderen Hunden immer näher und schaffen es an den Übungen Teil zu nehmen. Und dann laufen wir auch mal mitten drin.

Das Prinzip der kleinen Schritte und der kleinen, doch auch erreichbaren Teilziele prägt diese Wochen und Monate. Meine Zweibeiner können inzwischen mein Verhalten und mögliche Reaktionen im Voraus erkennen. Deshalb führen sie mich wesentlich ruhiger und gelassener, ja souveräner durch so manche Problemsituationen. Sie wissen nun, was sie mir zumuten können, was sie aber auch von mir einfordern müssen.

 


Zurueck zum Seitenanfang Weiter im Tagebuch
Zurueck zur Hauptseite